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Am 22. Oktober 2009 besetzten Studenten das Audimax der Uni Wien. Was vorerst wie ein Flashmob wirkte, griff bald auf die restlichen Universitäten in Österreich über. Solidaritätsschreiben von Rektoren, Schulen, Parteien und anderen Hochschulen waren die Folge. Auch Demonstrationen ließen nicht lange auf sich warten.
Die Forderungen? Mehr Geld für die Universitäten, mehr Lehrpersonal (gleichzeitig soll die Frauenquote auf 50% gehoben werden), keine Zugangsbeschränkungen und auch keine Studiengebühren mehr. Hm… klingt gut. Nein, gut ist zu linde; es ist utopisch.
Wissenschaftsminister Hahn ist dabei die Zielscheibe. Dabei wird Hahn nicht mehr lange Wissenschaftsminister bleiben, da er in das Europäische Parlament nach Brüssel wechselt. SeinE NachfolgerIn wird sich also mit Problemen eines anderen beschäftigen und dabei zu unrecht als neue Zielscheibe hinhalten müssen.
Die Bilder des eingerichtete Livestream aus dem Audimax Wien erinnerten mich an Szenen des Baader-Meinhof-Komplex (siehe 68er Revolte). Der linke Geist wurde heraufbeschworen und gefestigt: “Der Nationalfeiertag gehört boykottiert!” und “Der Kapitalismus muss abgeschafft werden!” sind Parolen, die laut Ohrenzeugen in das Mikro des besetzten Hörsaales in Graz geschrien wurden. Applaus und Jubel war die logische Schlussfolgerung.
Auch beim Fischen nach neuen Mitläufern gingen einige Werber für die groß angelegte Demo durch Graz (29. Oktober 2009) äußerst heftig vor – rein nach dem Motto: “Bist du nicht für uns, bist du gegen uns!” Flyer bekommt man ohne Ende in die Hand gedrückt. Will man keinen weil man schon einen hat (oder weil man sich einfach nicht mit dem Grundgedanken von Besetzung, Demo, Protest, etc. identifizieren kann), wird man als Lügner beschimpft und als Asozialer erniedrigt (diese Szene ist meiner Mitbewohnerin passiert).
Dabei war doch “(Basis)Demokratie” ein sehr häufig von den Besetzern genanntes Schlagwort. Aber Moment… wenn ich mich recht erinnere, dann ist doch auf “freie Meinungsäußerung” ein Teil von Demokratie, oder? Wie kommt es dann, das diejenigen, die sich als Demokraten tarnen, Gehirnwäsche betreiben und jeden ausgrenzen, der nicht für sie ist? Übrigens: ähnliche Szenarien sind in den Geschichtsbüchern unter “Nationalsozialismus in den 30er Jahren” nachzulesen.
Persönliches Fazit:
Ich finde es GUT, dass Menschen auf die Straße gehen, um ihren Unmut der Regierung (oder dem System, man nenne es, wie man will) kund zu tun. Es ist ein wichtiges, demokratisches Mittel, das wir, das Volk, immer noch benutzen (dürfen, können, sollen, müssen). Ich finde es dagegen SCHLECHT, diejenigen als “Feinde” zu sehen, die eigentlich zur selben Zielgruppe gehören (Studenten), aber sich einfach nicht mit dem Problem identifizieren können und deswegen nicht an Demonstrationen und Besetzungen teilnehmen.
Ich persönlich identifiziere mich nicht mit dem Problem, deswegen war ich nicht auf der Demo und nicht in einem besetzten Hörsaal, habe aber sehr wohl die Berichterstattung der Medien als auch persönliche Eindrücke von anwesenden Kollegen und Freunden verfolgt.
Wie kann ich es nun verantworten, Student zu sein und trotzdem nicht dafür aufzustehen, kritische Zustände auf der Uni zu beheben? Gegenfrage: Wie kann man sich als “tierlieb” bezeichnen und trotzdem zulassen, dass die Fleisch- und Pelzindustrie so grausam mit den Tieren umgeht (siehe VGT)? Wie kann man sich als “Naturfreund” bezeichnen, und trotzdem zulassen, dass täglich die Größe eines Fußballfeldes im Regenwald abgeholzt/gerodet wird (siehe Greenpeace)? Wie kann man sich als “menschenfreundlich” bezeichnen und trotzdem zulassen, dass Menschen in Afrika verhungern oder an einfachen Krankheiten sterben (siehe Licht ins Dunkel)? Die Liste würde sich sehr lange fortsetzen lassen…
Ich hoffe, ich habe meinen Standpunkt einigermaßen klargestellt und auch “gerechtfertigt”. In den letzten Tagen hatte ich das Gefühl, man müsse sich RECHTFERTIGEN, wenn man sich nicht solidarisch zeigt. Meiner Meinung nach, schießt das genau am Thema vorbei. Trotzdem hoffe ich, das sich die Umstände für alle Studenten der Unis bald verbessern werden.
