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Das Massaker am 23. Jänner 2009 hat eine Schockreaktion ausgelöst – bei den Betroffenen und Angehörigen, in den Medien und bei allen, die es mitverfolgt haben. So hat sich heute Morgen eine recht interessante Diskussion am Frühstückstisch ereignet.
Als dann der Satz „Leute, die so was machen … die gehören weg“ fiel, ging es erst richtig los. Es fielen Argumente wie „unser Rechtssystem ist einfach zu milde“, „Lebenslänglich heißt ja, dass er nach 20 Jahren mit guter Führung rauskommt“, „diese Leute lernen nicht aus ihren Fehlern“ und „man muss ihn ja nicht erschießen, es gibt ja auch elektrische Stühle“.
Zugegeben, es stellt sich tatsächlich die Frage, was man denn mit Leuten, die eine derart undenkbar grauenhafte Tat vollbracht haben, macht. Feuer allerdings mit Feuer zu bekämpfen, scheint mir nicht der richtige Weg zu sein. Die Verzweiflung und die darauffolgende Wut der Angehörigen (und) der Opfer (es wurden ja nicht nur Kleinkinder verletzt) ist verständlicherweise groß. Ich kann mir gut vorstellen, dass einige Rachegedanken hegen und den Täter ebenfalls lieber tot hätten. Doch was ändert das?
Nichts wäre damit wieder gut gemacht, niemandes Wunden würden sich plötzlich schließen und kein lebloser Körper würde sich wieder mit Lebenskraft füllen. Ich bin mir nicht einmal sicher, wie lange diese Farce der Befriedigung, der Schwindel von Vergeltung aufrecht erhalten bleiben würde.
Aber spinnen wir den Gedanken mal weiter: Wenn wirklich jeder Mensch, der einen Mord begangen hat, dafür ebenfalls sterben sollte … tja, wie soll das denn genau aussehen? Wer verübt denn dann den „Vergeltungsmord“? Und wieso sollte man das denn auch tun, wo man doch dann eigentlich ebenfalls ermordet werden müsste?
Doch abgesehen davon: Würde unser Rechtssystem wirklich so aussehen, dann würde es wohl nicht lang dauern, bis neue Straftaten, die eine ähnlich schlimme Auswirkung auf die Gesellschaft haben, ebenfalls mit dem Tode zu bestrafen wären. Wo wir dann bei Verhetzung wären; aber das hat‘s ja schon vor 500-600 Jahren gegeben und wurde damals „Hexenjagd“ genannt (oder erst vor ca. 65Jahren, damals hieß es „Rassenlehre“). Wir hätten also das Recht, diejenigen, die uns nicht passen, mit Mistgabeln und Fackeln davonzujagen. Ja, das klingt tatsächlich verlockend … zumindest, solange man nicht selbst als Erster laufen muss und der verärgerte Pöbel einem auf den Fersen ist.
Aber zurück zur Realität.
Menschen wie der Messerstecher in der belgischen Kinderkrippe entwickeln ja nicht von heute auf morgen eine Manie und gehen deshalb – weil sie gerade lustig sind – in einen Kinderhort, um dort hilflose Kleinkinder und deren Betreuerinnen abzustechen, wie Schweine nach dem Bolzenschuss. Sie haben sicher eine Vorgeschichte, wie eine verpatzte Kindheit, einen lausigen Job ohne Freunde oder sonstiges. Man muss kein Psychotherapeut sein, um zu erkennen, dass sich dies negativ auf die menschliche Psyche auswirkt.
Es ist heute Morgen auch die Frage nach einer Lösung bzw. nach einer Möglichkeit der Vorbeugung gefallen.
Hat jemand eine Idee?
